Über die Sprengkraft von Selbstliebe
Etwas vom Radikalsten und (R)Evolutionärsten, was du tun kannst, ist, dich selbst bedingungslos zu lieben. Patriarchale und kapitalistische Strukturen zielen darauf ab, dich klein zu halten, dich im ewigen Leistungs- und Optimierungskarussell gefangen zu halten. Der Kernsatz des Kapitalismus und des Patriarchats lautet: Du bist nicht gut genug. Also das Gegenteil von Selbstliebe. Du bist nicht gut genug macht dich manipulierbar und bringt dich dazu zu konsumieren. Es bringt dich dazu, im Aussen zu schauen, wie du dein inneres Loch füllen kannst.
Erfüllung von aussen ist jedoch niemals andauernd, sie ist immer nur temporär, und sobald der Effekt nachlässt, musst du wieder weitersuchen. Dann brauchst du wieder etwas Neues, um die Leere zu verbannen, um sie vorübergehend zum Schweigen zu bringen. Du bist nicht gut genug hält dich davon ab, da zu suchen, wo der Ursprung wirklicher Erfüllung zu finden ist, nämlich in dir selbst. Denn wie könnte das Heilmittel in dir selbst liegen, wenn du nicht gut genug bist? Wenn du ein defizitäres Wesen bist, das an allen Ecken und Enden mit Mangeln behaftet ist? Es ist also der Weg nach innen in die Selbstliebe, der am Anfang des dringend benötigten Wandels liegt. Es ist die im Herzen gefühlte Erkenntnis, dass du kein Objekt bist, welches es zu reparieren oder zu optimieren gilt, sondern dass du ein Subjekt bist, wertvoll und liebenswert, von Geburt an, bedingungslos.
Dem Wort «Selbstliebe» haftet – gerade bei uns Frauen – ein diffuses Gefühl des Egoismus an. Selbstliebe ist egoistisch, sie stellt uns selbst in den Mittelpunkt und viele von uns haben gelernt, dass wir genau das nicht tun sollen. Dass wir zuerst auf die Bedürfnisse der anderen schauen sollen. Dass wir uns nicht so wichtig nehmen sollen. Dass wir hier sind, um zu dienen und andere zu umsorgen. Tatsache ist aber, dass auch dein Kelch irgendwann leer ist, wenn du immer nur bei den Bedürfnissen der anderen bist. Um anderen wirklich dienen zu können, musst du aus dem Vollen schöpfen können, dein Kelch muss voll sein. Er darf sogar überfliessen, denn er ist mit Liebe gefüllt. Selbstliebe ist also mitnichten egoistisch, sondern notwendige Voraussetzung, um der Welt mit all deinen Gaben, Talenten und insbesondere mit deiner Liebe dienen zu können.
Und mit Selbstliebe meine ich nicht, dass du dir ab und zu einfach ein Wellnesswochenende oder ein Stück Kuchen gönnst, ansonsten aber weitermachst wie bisher. Selbstliebe erfasst dein ganzes Leben, dein ganzes Sein in der Tiefe.
Das Ganze beginnt mit einer Entscheidung: der Entscheidung für DICH, in deiner ganzen Fülle und Wahrheit. Es geht darum, ganz zu werden (ganz du!). Natürlich gibt es Schichten von einschränkenden Konditionierungen und Glaubenssätzen abzutragen. Nicht, weil du dich optimieren oder reparieren sollst, nicht weil dir etwas fehlt, nicht aus Leistungsdenken heraus. Hierzu braucht es Präsenz, Achtsamkeit, Geduld und Hingabe. Es braucht Mitgefühl und radikale Ehrlichkeit dir selbst gegenüber.
Die Liebe ist dein Wegweiser. Wo keine Liebe ist, das kann weg. Da kannst du sicher sein, dass eine Prägung am Wirken ist, die dich von der Selbstliebe und von deinem wahren Kern fernhält. Schlussendlich gibt es genau zwei Beweggründe, etwas zu tun oder nicht zu tun: Angst oder Liebe. Alles, was dazwischen liegt, sind Varianten davon und können im Kern dem einen oder anderen zugerechnet werden. Handelst du aus Angst oder aus Liebe? Und was würde die Liebe tun?
Wenn du also am Wandel der Welt mitwirken willst, dann erkenne, dass du ein Subjekt und kein Objekt bist. Folge deinem Herzen hinein in tiefe Liebe und Mitgefühl für dich selbst. Kultiviere Präsenz und Achtsamkeit, lass dich nicht ablenken. Damit bist du eine wahre (R)Evolutionärin für eine neue Welt.