Breathwork und die Kraft, bei mir zu bleiben
Wie gut kann ich bei mir bleiben, wenn es sich unangenehm und intensiv in mir anfühlt? Breathwork hält mir da gerade sehr krass den Spiegel vor. Ich bin noch nicht wahnsinnig lange damit unterwegs, dafür intensiv. Mit Breathwork meine ich hier bewusste verbundene Atmung in Kombination mit intuitiver Bewegung, mit welcher man an emotionale Speicherungen im Körper herankommt, die sonst nicht oder nur schwer zugänglich wären. Und ich liebe es! Es ist unglaublich, was sich da alles zeigt, bewegt und löst. Schatten- und Transformationsarbeit ist eh genau mein Ding. Ich habe keine Angst, meine Schatten anzuschauen und auch an Orte in mir zu gehen, die schmerzhaft sind, weil ich weiss, dass am anderen Ende des Tunnels Freiheit und Lebensenergie warten. Und wenn ich ein Lebensziel habe, dann ist es, die innerlich freieste Version meiner selbst zu werden, die ich sein kann. Ich will mich selbst so frei und authentisch ausdrücken und zeigen können in meiner Wahrheit, wie es mir nur irgend möglich ist.
Folgendes ist mir aufgefallen: Bei diesen Breathwork-Sessions komme ich oft und relativ bald einmal an den Punkt, wo ein «Programm» in mir anspringt. Mein Kopf wird dann sehr laut: Ich mag nicht mehr, mein Körper kann nicht mehr, jetzt wird es mir zu viel, jetzt ist es genug, ich habe genug gemacht, jetzt kann ich mich ausruhen. Der Ausreden sind da viele. Und es fühlt sich auch oft tatsächlich so an, als ob der Körper müde und erschöpft wäre. Ich lerne gerade, über diesen Punkt hinauszugehen – nicht aus Leistungsdenken heraus, sondern weil ich erkannt habe, was da in Wirklichkeit passiert: Es ist ein Schutzmechanismus, der anspringt. Einerseits will etwas in mir nicht ins Unangenehme, in den Schmerz hineingehen, es fühlt sich gefährlich an. Andererseits ist es auch eine alte Identität, die da um ihr Überleben kämpft. Wer bin ich, wenn der Schmerz und die alten Geschichten plötzlich nicht mehr da sind? Wenn die Gründe plötzlich wegfallen, mich zu verstecken? Somit ist der Schutz gleichzeitig eben auch ein Sabotageprogramm, das mich weiter gefangen und klein hält in den altbekannten Mustern.
Breathwork ist für mich daher ein super Übungsfeld zu lernen, bei mir zu bleiben, auch wenn es intensiv, anstrengend und unangenehm wird. Dadurch, dass ich das Schutz- bzw. Sabotageprogramm entlarvt und mittlerweile etwas Erfahrung gesammelt habe, fällt es mir schon wesentlich leichter zu bleiben. Heute Morgen habe ich zum ersten Mal eine längere Session für mich allein gemacht, ohne Anleitung von aussen. Timer auf 1 Stunde gesetzt, Playlist an und los. Und auch heute kam der Moment irgendwann, wo ich gemerkt habe: Ok, jetzt versuche ich auszubüxen. Aber im Wissen, dass es jetzt genau darum geht, weiter bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlassen, konnte ich da gut hindurch navigieren und mich selbst führen.
Ich habe mir während des Atmens, als es gerade etwas schwierig wurde, die Frage gestellt: Was, wenn diese Session niemals aufhören würde und ich nicht flüchten könnte? Was würde mir jetzt helfen weiterzumachen? Was, wenn es genau darum geht im Leben: immer und immer wieder die Entscheidung zu treffen, zu bleiben und sich nicht zu verlassen? Ich bin mit der Aufmerksamkeit in mein Herz und habe das starke Commitment gefühlt, präsent bei mir zu bleiben, auch wenn da etwas in mir gerade dringend woanders hin wollte. Unmittelbar darauf kamen Dankbarkeit und Liebe für mich selbst, dass ich geblieben bin.
Und eigentlich hört die Session ja auch tatsächlich nie auf. Das ganze Leben ist eine Übungsmatte, nein, DIE Übungsmatte schlechthin dafür, ganz präsent bei sich zu bleiben mit allem, was gerade da ist. Und schlussendlich ist das alles, was ich wirklich-wirklich zur Verfügung habe: mich selbst und meine Erfahrung genau dieses Augenblicks. Alles andere ist Ablenkung, Illusion, Projektion, verpasstes Leben. Wenn ich bewusst und präsent bei mir bleiben kann, dann erfahre ich das Leben wirklich. Dann finde ich Wahrheit, Kraft, Potential und am allerwichtigsten: mich selbst.